15. Jul 2026
Die 6. Spielzeit von "InKinosion" ist am 14. Juli gestartet. Im Rahmen der inklusiven Filmreihe wurde in der Königsburg in Viersen-Süchteln der Dokumentarfilm „Auf der Adamant“ gezeigt.




Der Film „Auf der Adamant“ porträtiert eine schwimmende Tagesklinik auf der Seine in Paris. Dort schaffen Menschen mit psychischen Erkrankungen gemeinsam einen Ort, an dem Musik, Malerei, Theater und menschliche Begegnungen eine wichtige Rolle spielen.
Wie es bei der Filmreihe InKinosion üblich ist, stellte Dirk Kampmeier (Team InKinosion von der PHG und Königsburg) im Anschluss an die Filmvorführung seine Gesprächspartnerinnen Silvia Türlings, Ex-In-Genesungsbegleiterin der PHG Viersen, und Karin Otrzonsek-Cremer, Kunsttherapeutin der LVR-Klinik, vor. Alle drei sprachen über die Bedeutung von Kunst, Kreativität und Begegnung im Umgang mit psychischen Erkrankungen.
Karin Otrzonsek-Cremer stellte die Parallelen zwischen den kreativen Angeboten im Film und der Kunsttherapie heraus. Kunst könne Menschen dabei helfen, Gefühle auszudrücken und über Bilder einen Zugang zu eigenen Erfahrungen und Geschichten zu finden. Der Film lade dazu ein, über die eigene Lebensgeschichte nachzudenken und neue Perspektiven auf psychische Gesundheit zu entwickeln.
Silvia Türlings schilderte ihre persönlichen Erfahrungen mit kreativen Ausdrucksformen während ihres Genesungsprozesses. Für sie seien Malen und Schreiben wichtige Möglichkeiten geworden, Erlebtes zu verarbeiten. Kunst funktioniere dabei häufig als nonverbale Sprache. Oft entstünden Bilder, deren Bedeutung sich erst mit zeitlichem Abstand erschließe.
Auf die Frage Kampmeiers nach der Nachhaltigkeit kreativer Prozesse berichtete Türlings, dass sie viele ihrer Werke zunächst selbst nicht verstanden habe. Erst später habe sie erkannt, dass einzelne Bilder innere Zustände und Dissoziationen sichtbar machten. Kunst könne daher nicht nur Gefühle ausdrücken, sondern auch dabei helfen, Entwicklungen und Erfahrungen rückblickend besser zu verstehen.
Otrzonsek-Cremer betonte, dass in der Kunsttherapie nicht das Ergebnis, sondern das Erleben im Vordergrund stehe. Sie berichtete unter anderem von einem sogenannten „Matschraum“, in dem Menschen mit Farben experimentieren und diese auch großflächig einsetzen können. Besonders die Arbeit mit den Händen habe eine wichtige Bedeutung, da dabei Gefühle unmittelbar erlebt und wahrgenommen werden können.
Im weiteren Gespräch ging es um die Frage, welche Bedingungen kreative Entfaltung ermöglicht. Für Silvia Türlings ist dabei vor allem das Gefühl von Sicherheit entscheidend. Nur an einem geschützten Ort könne man sich öffnen und authentisch ausdrücken. Karin Otrzonsek-Cremer unterstrich, dass Freiwilligkeit eine zentrale Grundlage therapeutischer Arbeit sei. Niemand müsse etwas malen oder gestalten, wenn er oder sie dies nicht möchte.
Aus eigener Erfahrung hob Türlings hervor, wie wertvoll frei zugängliche Kreativräume sein können. Sie habe es als besonders hilfreich erlebt, Kunst- und Musikräume eigenständig nutzen zu können, sogar außerhalb üblicher Zeiten. Solche Möglichkeiten seien nicht selbstverständlich, könnten aber wichtige Freiräume für persönliche Entwicklung schaffen. In diesem Zusammenhang wurde von Dirk Kampmeier das Sudhaus der PHG Viersen erwähnt, das mit verschiedenen Angeboten, unter anderem einer eigenen Zeitung, Beteiligung und Mitwirkung fördert.
Mit Blick auf den Film zeigte sich Türlings besonders beeindruckt davon, wie die porträtierten Menschen dargestellt wurden. Alle Beteiligten seien auf Augenhöhe begegnet, hätten sich zeigen können, wie sie sind, und seien mit großer Wertschätzung und Aufmerksamkeit porträtiert worden. Gerade diese Haltung mache den Film so berührend und authentisch.
Zum Abschluss erinnerte Otrzonsek-Cremer daran, dass Kunst keinen Anspruch auf Perfektion habe. Gefühle dürften zunächst einfach festgehalten werden, sei es in Worten, Farben oder Formen. Den emotionalen Schlusspunkt des Abends setzte Silvia Türlings mit einem selbst verfassten Gedicht über Gefühle, das die Themen des Films und der Gesprächsrunde noch einmal eindrucksvoll aufgriff.
Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, worum es bei „InKinosion“ geht: Begegnungen schaffen, Verständnis fördern und Menschen durch Kultur miteinander ins Gespräch bringen. Gerade die Verbindung aus Film und persönlichem Austausch machte den Abend für die Besucherinnen und Besucher zu einem nachhaltigen Erlebnis.
Das Projekt "InKinosion" besteht aus den Kooperationspartnern Lebenshilfe Kreis Viersen e.V., PHG Viersen gGmbH, Jugendzentrum ALO Dülken, Behindertenbeauftragter der Stadt Viersen und dem Kulturverein Königsburg 2.0 e.V.
Die sechste Spielzeit ist geplant. Einlass ist jeweils um 18 Uhr, der Film startet um 18:30 Uhr und eine Gesprächsrunde endet zwischen 20:30 und 21:00 Uhr.
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